WISSENSTHEMA – Trauma
Trauma verstehen – was Trauma ist und was nicht
Ein Wort, das oft missverstanden wird. Eine ruhige, körperorientierte Einordnung – ohne Diagnose, ohne Heilversprechen.
Ca. 4 Min. Lesezeit
Schocktrauma
Somatic Experiencing
Ein Wort, das oft missverstanden wird
Kaum ein Begriff wird so häufig verwendet – und so unterschiedlich verstanden – wie „Trauma“.
Für die einen ist es das große Ereignis: ein Unfall, ein Verlust, eine Katastrophe. Für andere ist es ein Wort, das inzwischen für fast jede schwierige Erfahrung steht.
Beides greift zu kurz. Ich möchte Ihnen hier zeigen, was Trauma aus körperorientierter Sicht tatsächlich bedeutet – und was es nicht ist.
Was Trauma nicht ist
Trauma ist nicht das Ereignis selbst. Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben und völlig unterschiedlich davon betroffen sein – das bedeutet nicht, dass eine Reaktion „richtiger“ ist als die andere.
Trauma ist auch keine Diagnose, die man entweder hat oder nicht hat. Es ist ein Spektrum, keine feste Grenze.
Trauma ist keine Eigenschaft
Vielleicht kennen Sie Gedanken wie:
- „Warum reagiere ich manchmal so stark, obwohl ich weiß, dass eigentlich nichts Schlimmes passiert?“
- „Warum falle ich immer wieder in dieselben Muster?“
- „Warum versteht mein Kopf, dass ich sicher bin, mein Körper aber nicht?“
Viele Menschen erleben genau das. Und oft glauben sie, mit ihnen stimme etwas nicht. Aus meiner Sicht ist das eine der größten Fehlannahmen.
Ein Trauma bedeutet nicht, dass „etwas mit Ihnen nicht stimmt“. Es ist keine Schwäche und keine dauerhafte Identität.
Belastung bedeutet: Es war schwer. Trauma bedeutet: Es war zu viel für die damaligen Möglichkeiten.
Mirja Weil
Was Trauma tatsächlich ist
Nach dem Verständnis von Peter Levine ist Trauma das, was passiert, wenn eine überwältigende Erfahrung nicht vollständig verarbeitet werden konnte – wenn die natürliche Schutzreaktion des Nervensystems unterbrochen wurde, statt zu einem natürlichen Abschluss zu kommen.
Aus körperorientierter Sicht und vereinfacht gesagt: Ihr Körper hat in diesem Moment eine Schutzreaktion begonnen – aber diese Reaktion konnte nicht zu Ende geführt werden. Die Energie, die für Kampf oder Flucht bereitgestellt wurde, bleibt im Nervensystem gebunden, statt sich zu lösen. Es ist eine Erfahrung, die Spuren hinterlassen hat.
Es können neue Erfahrungen entstehen, in denen bislang unterbrochene Schutzreaktionen behutsam weiterverarbeitet werden.
Warum das eine entlastende Nachricht ist
Wenn Trauma keine Charakterschwäche ist, sondern eine unterbrochene, unvollständige Körperreaktion – dann bedeutet das auch: Es kann möglich sein, sie nachträglich zu vervollständigen.
Ein freundlicherer Blick auf Reaktionen
Viele Reaktionen, die wir heute zeigen – z.B. Rückzug, Übererregung, Kontrollbedürfnis oder emotionale Taubheit – sind sinnvolle Schutzstrategien. Sie haben uns einmal geholfen, zu überleben.
Verstehen heißt nicht, alles gutheißen – sondern erkennen, welche Bedürfnisse sich hinter den Reaktionen verbergen.
Drei ergänzende Blickwinkel
01
Körperorientierte Sicht
Fokus auf die unterbrochene Körperreaktion und ihre behutsame Vervollständigung.
02
Bindungsorientierte Sicht
Wie frühe Beziehungserfahrungen prägen, wie sicher wir uns heute fühlen.
03
Systemische Perspektive
Wie Rollen, Regeln und Muster im Familien- oder Beziehungssystem eigene Reaktionen mitprägen können.
EIN ERSTER SCHRITT
Beginnen Sie dort, wo heute Orientierung fehlt.
Sie müssen nicht wissen, ob das, was Sie erlebt haben, „genug“ für ein Trauma war.
Wichtiger ist die Frage: Merken Sie, dass Ihr Nervensystem in bestimmten Situationen stärker reagiert, als die Situation selbst es verlangt? Das allein ist Grund genug, genauer hinzuschauen.
Dieser Bereich ergänzt meine psychotherapeutische Praxis durch Wissen, Orientierung und Selbstreflexion | Zur Praxis für Psychotherapie
GUT ZU WISSEN
Ein Kurs ist in Planung
Der Grundkurs „Trauma verstehen“ vertieft dieses Thema weiter. Hier können Sie sich für eine Benachrichtigung zum Kursstart eintragen.